White Rabbit Club :: Ulli's KolumneMorbides Sinnen zum Thema TanzenMorbides sinnen zum thema tanzen
Gestern war lightning bolt. Ich war mal wieder schon früh da, erstens, weil ich mir uncoolness und antizyklik ganz gross auf meine flaggen geschrieben habe, um codes und gepflogenheiten nicht nur der bürgerlichen gesellschaft zu konterkarrieren, zweitens, weil ich auflegen sollte und dachte, da müsse man noch einen soundcheck machen. Immer verwechsel ich mich, dj nadjas breton, dj fuffie die minute, dj homo sowieso and the bla-bla-blas, mit einer band. Mein zweites buch hätte denn ja auch „ich bin die beatles“ heissen sollen, nun habe ich mich aber für „ich bin mein eigener navratil“ entschieden und arbeite dran. Also djs machen keinen soundcheck, djs kotzen dafür aber im morgengrauen ins white rabbit. Das tut mir echt leid, ich schäme mich. Ins white rabbit kotzt man nicht, ins white rabbit bucht man bands wie lightning bolt oder nalle, im august. Lightning bolt haben klar alle erwartungen erfüllt. Weniger das publikum. Gut, vorne bangten einige, aber ein molekular entfesseltes voodootreiben, wie man es im filmchen auf der gruppierung myspace-seite sehen kann, gab es kaum. Der deutsche leib…ist einfach zu steif. Super-egos so gross wie eben der amerikanische kontinent befehlen: stillstehen. Verkrampft sein. Kontrolle bewahren. Beobachtet werden. Sich selbst beobachten. In und mit der unsichtbaren, fast abstrakten kontrolle durch die anderen sich selbst gleich mitkontrollieren. Foucault lesen. Paranoia voll im griff haben, wenn nicht wegsaufen. Bier halten, wahlweise hände cool cool verschränken oder in die checkerigen straight edge-hosentäschli schieben, ganz souverän. Aber hier leben - nein danke. Der smuth hat nett gedanced, der smuth danced immer nett. Weil er einen KÖRPER hat und eine liebe, einen stil und ein herz. Der kann sich bewegen. Wer bewegt sich wie? Und warum? Und wenn nicht, wie bewegt er sich dann nicht? Oder trotzdem? Ist nicht alles bewegung? Selbst, wenn wir tot sind, bewegen sich die regenwürmer durch uns und wir uns also mit den regenwürmern. Wir tanzen mit den regenwürmern den todestanz. Das ist nun aber freilich leicht vermessen, das grenzt an blasphemie und streift heikle, existentielle themen. Die man nicht mal eben so schlacksig-gleichgültig streifen und abhaken kann. Leichtsinnig bagatellisieren. Aber fest steht: im leben soll man tanzen, ja: sich nackig machen gar. Und warum? Weil die würmer dann danach mehr davon haben, denen schmecken wir einfach besser, wenn wir getanzt haben. So isses. |
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Sa, 04.09.2010 11:12