White Rabbit Club :: Ulli's KolumnepetitionLiebe Barbara Mundel,
mein name ist ulrich sandermann aka ulrich ulrichson, dieses zeichens massgeblicher protagonist des berliner „underground“-treibens der neueren jahre. Da habe ich so allerhand gemacht, aber auch gelassen, immer wieder gelassen...es ist ein müdes leben, das kritische, und aus der müdigkeit heraus alleine wach, zum wachsein geboren. Mein anliegen ist folgendes: Ich wurde vor ca. 11/2 jahren nach freiburg geworfen, das geld war knapp, die urbanität eng, und mein vater krank. Nun bin ich hier. Was ich gewahre: in kreisen einschlägigeren involvements in örtliches schaffen, kulturschaffen nämlich, ermüdung. Die stadt sei „ausgeblutet“. Also erschöpft und „at an end“...damit meine ich leute, die im zwischenfeld von „pop“, also musik als leitmotiv im nicht allein milieustiftenden sinne, kunst, diskurs und allem und jenem agierten. Reüssierten, brillierten. Die was wahrhaft knorkes machten. Da muss ich keine namen nennen, denn namensnennung allein schilt derlei, um transpersonalität bemühtes, lügen. Kultur, ja leben ist organisch. Ich selbst finde freiburg einigermassen doof. Aus meiner sozialisation heraus und so. in berlin, das ist gemeinplatz, hat man es mit vielfalt zu tun, hier mit platten facts. Und finde keinen ort, der mir wahrhaft behagte, nicht allein zum blossen „biertrinken“. Emigration ins private ist das eine, mir unmögliche, einforderung von änderung das andere, mir nähere. Da unbedingt, in aller erfahrung, ich behaupte, die stiftung, bereitstellung und wirksamwerdung von orten, an denen, wie auch immer überbaut, menschen im interesse der neuerung zusammenfinden, ein leben in der stadt erlauben, stiften, zur debatte stellen, paradigmatisch für diese schicksalshalber fortschrittliche kultur verantwortlich zeichnet. Jetzt bin ich scharf auf den orbit. Gibt´s den noch? Oder eine andere, dunkle ecke im grossen schiff des theaters? Wo leute sich jenseits von sex, geld und infiltration treffen, um im bade dessen, was unsere lebensrealität an lebenswerten gütern und inhalten hergibt, anders zu sein, zu leben und erfahren... ? Das wäre meine idee, gerade ortsbedingt, reaktiv auf diese situation. Im schweisse meines angesichts und besten willens, in aller menschenliebe vor ort zu intervenieren. Ich denke an kunst, schallplattenauflegen, lockere versammlung und bier. Oder wein, gin tonic und all die weiteren handelsüblichen mittel, menschen zu entkrampfen, auf ihrer reise durchs westliche leben anzuspornen, einander begegnend. So lang das so sei.... Mir schwebt ein ort vor, der soll „howl“ heissen, nach dem offenen, erzürnten und länglichen gedicht des amerikanischen revolutionärs und vorreiters allen ginsberg, der einst die spirituellen widersprüche westlichen daseins aufs unbedingteste ausformulierte. Eine dunkelblaue neon-leuchtschrift, in zackiger handschrift, sehe ich bereits seit längerem vor meinem inneren, hochvisionären auge. Unter diesem banner versammelten sich leute, die im dazwischen der positionierungen, schicksale und orte ein neues erhofften, gesellschaftliche überlegungen jenseits schroffer polarität, wenn auch unbedingt. Eben differenzierte, ihrerseits schicksalshaft verfeinerte, wenn auch radikal offene. Das habe ich so mitgenommen, das hat mich so mitgenommen... Die utopie-debatte, die ich im rahmen des orbits aufzuschnappen imstande war, ist eine mich durchaus existentiell betreffende. Ich finde die welt überaus schrecklich, ja fast „unlebbar“ geworden. Trotzdem lieb ich das leben und kommuniziere: es ist ein wunder! Die menschen sind der kultur, im sinne jetzt der allgemeinen lebensrealität, hochhaus entwachsen! Wir warten auf einen wechsel. Solange wir hier so leben, gilt es die eingelernten, tradierten und herrschenden prädispositionen und ansichten zu stärken, menschen aus etwaigen sackgassen und traurigkeiten hinauszulupfen und deren visionen neu zu verstärken, neue perspektiven zu erschaffen. Jenseits der „marktwirtschaftlichen“, also jederzeit inzestuös-paternalen wirkmechanismen zu versöhnen. Mit herzlichen, strukturkritischsten grüssen, ihr uli ulrichson aka ulrich sandermann (feminist) |
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Sa, 04.09.2010 11:12