Frühling oder HerbstHeute war ein frühlingstag. Ich fühlte ungeahnte energien, fühlte mich als wikinger, fühlte mich 5 meter gross. Als sogenannter teenager tat ich mich bereits mit frankenstein und elefantenmensch identifizieren (statt kylie oder david bowie). Das monströse spielt eine nicht unerhebliche rolle in meinem leben, in meiner seele. Ein foto von diane arbus, „jüdischer riese mit eltern in brooklyn“, ist mein lieblingsfoto, eines, in dem ich mich wiedererkenne. Auf dem ich es sehe, wie es ist, wie es war: die sache mit meiner familie, mit mir und der welt. Nun, bei muttern, erlebe ich es hautnah, unmittelbar, täglich zwischen haus und strasse. „the changing ones“, so heisst es bei coco rosie, will roscoe ist ihr held, andere, europäischere geister sprechen von hysterie und machen sich auf psychoanalytisch motivierte weise daran, leute wie mich zu untersuchen und verstehen. Da ist mir will roscoe und coco rosie lieber, weil: more funky. More einbringbar, verwertbar und also sickniefitzierbar in kunst und pop. Weil: alle spielen schau. Weil: wir´s uns ja erlauben können. Weil´s: uns ja so gut geht. Wegen: wohlstand, muße und innerer leere, den motoren und prinzipien, ur- und also ungründen westlicher wirklichkeitsherstellung mitunter. Aber: da will halt was leben, da will was raus, immer und immer wieder. Es wird und wird dann wirklichkeit, verrückt, crazy und: ewig mysteriös…das werden, wirken und weben der dinge, durch seelen, industrien, durch uns noch durch hindurch. Sag ja dazu, umarme die welt! Sie ist, was uns gefällt. Und groschen werden fallen, gerichte sich verdichten, die bratpfannen des seienden, möglichen und realen werden sich lichten, die gute alte kartoffel heimkehren in die laboratorien des selbst.
Ich traf conny. Conny erzählte mir von transaktionsanalyse. Es gäbe dort ein kind-ich, ein eltern-ich und ein erwachsenen-ich. Na toll! Was für ichs gibt’s wohl bitteschön für die machthabenden, die, die uns betrügen und belügen, tag für tag im grossen stil, in dem stil nämlich, den man in „the limits of control“, der neuen zelluloidfleischwurst des grossen king of the cool, jim jarmusch, nachgucken, nein: regelrecht physisch erfahren konnte? Null, niente und nullamente. Entseelte, entmenschlichte, verdinglichte und nicht nur potentiell totgemachte masse, menschenmasse, menschenmaterial, das zynisch durch die reissbrettsphären dirigiert und gesteuert wird, die wir realität nennen, nennen müssen, da bisher, seit eh und seit je, nach dem schleichenden heiner-müller-prinzip des kochenden froschs wir eine andere welt, eine alternative strenggenommen uns kaum mit dem noch fremdbestimmten arsch im traum vorstellen können. Gerede von pflaster, gerede von strand – verkommen vor dem täglichen irrsinn, in dem nur noch nacktest zurechtzufinden wir uns anschicken, zu kläglichem kinderbuchphantasma. Womit haben wir´s denn zu tun? Und gerede von der wahrwerdung schwarzer utopien wie 1984, schöne neue welt etc. – geradezu bodenlose verniedlichungen und verharmlosungen. Denn: es ist die welt, immer noch die welt. Der schmerz, die zerstörung wären unerträglich, unlebbar geworden, hätten wir nicht umgekehrt schleichend entgegengewachsene gegenrealitäten und kulturpraktiken zur verfügung wie das a.) rituelle saufen von bier plus b.) der diesbezüglichen quasi rest-matriarchalen einbettung in kulturindustriell legierte sauf-und musikhallen unter unseresgleichen: verwirrten, traurigen, wenn auch einzig liebenswürdigen halb rebellierenden, halb liebenden jungmenschen und junggebliebenen. Venceremos in den untergang, kratzen wir die kurve und seien wir gefasst: das schwarzbuch des kapitalismus ist genau die wolke, in der wir dahindümpeln, untrennbar fast geworden noch von der luft, die wir atmen, wo restlos alles kapital, toter, naturwissenschaftlicher erfassung und berechnung hier und entfesselter, westlich-entfremdeter schwachsinnigkeit dort zum opfer gefallen scheint. Kotzen kost´eins fuffzig. Da sagen wir nur: shit about it, stay cool und: weiter wie bisher. |
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Sa, 04.09.2010 11:12