White Rabbit Club :: Ulli's Kolumneeriks exorzismusDenkwürdigkeiten eines nervenschwachen I - ulrichsons kolumne Samstag spielte erics exorcism. Ich war bereits um 7 da und bekam die vorbereitungen mit. Hektisch gings zu, euphorisch und hektisch. Man merkt: alle haben eine wut, aber auch eine liebe, aber auch liebe. Ich hörte nur den soundcheck, später wurd ich müde, der gig begann erst um 12. ich sollte aber was schreiben, hab aber ja den soundcheck gehört. Bin ja nich dumm. Die kunst im zeitalter ihrer erfahrungsgemässen berechenbarkeit…ohne jetzt destruktiv sein zu wollen, nein: die rockten durchaus. Und später, am gig: wer weiss, was da noch abging und was eric aus der schatztruhe seiner iggy-, henry- und sonstiger berserker -impersonifikation so herausschüttelte, also aus dem ärmel. Also dem arm, denn hemd trug er nun keines, nur ein t-shirt: schweissdurchtränkt, ja: schweissdurchtränkt. Alle haben wir wut, ja hass. Die bühne war mit einem deutschen spiesserzaun, also jetzt nicht gleich stachel-, aber durchaus drahtzaun, vom publikum abgetrennt. Wie heissen die dinger, die spiessergrundstück von spiessergrundstück säuberlich dividieren, damit alles, der ganze scheiss, unter dem wir leiden, tagtäglich stündlich minütlich, so abläuft, wie er läuft? Zaun halt. Und hinter dem zaun wütete eric, der zaun sollte seine gefährlichkeit noch aufpushen, unterstreichen auch und hervorheben. War eric selber provoziert durch den zaun? Potenzierte der zaun, von seiner seite allein, jetzt des zaunes wegen, potenzierte der zaun seinen zorn? Wir wollen es hoffen. Wenn nicht, sollte der zaun fahles kalkül und effekthascherei gewesen sein, dann stünde erics gefährlichkeit, für mich wenigstens, nun in zweifel. Wenn aber der zaun tatsächlich sein werk getan haben sollte, also gewirkt haben sollte, wie zäune im sogenannten alltäglichen leben wirken, zornpotenzierend nämlich, zornsteigernd, ja: zornerregend, wird es wohl durchaus ein noch guter und intensiver abend gewesen sein. Nein: nacht. Da ich, der unberechenbare luschi, könig aller nulpen und nichtsnutze, aber bereits gegen 11 gegangen bin, da ich in meinem displacement und meinem exilstatus keinen adäquaten und von augenhöhe zu augenhöhe angemessenen ansprech-, nein: gesprächspartner fand, habe ich das nämliche konzert, über das ich hier schreibe, gar nicht erst mitbekommen. Ich schreibe also über ein konzert, das ich gar nicht gesehen habe. Das ist schon allerhand, das ist fast schon vermessen. Birgt es potential? Angesichts einer realiät, deren vollständige 1:1-, echtzeit-, und also realitäts- und faktizitätsversessenheit, was berichterstattung und medialität angeht, keinen raum mehr für nischen des dazwischen, des nackten lebens selber nämlich mehr lässt, finde ich es eine fast doch, ja: interessante setzung, einen bericht über ein konzert zu schreiben, dass ich gar nicht gesehen habe. Das primum der absenz, so könnte man das betiteln, dieses verfahren, diese strategie, nein: diese fast schon notwendige, selbst schon wieder quasi-kybernetische gegenbewegung zum unbedingten willen zur pflichterfüllung und authentizität, der uns zum knochenkotzen umgibt. Und eric ist bestimmt ein bruder im geiste, einer, der das versteht, einer, der das unterschreibt. Sonst wäre er nicht so wütend und würde so eine authentische, energiegeladene show abliefern. Hinlegen. Ich sah die setlist und hörte, wie gesagt, den soundcheck. Es gab covers von black flag, stooges, butthole surfers. Nur die fettesten bretter. Und eigenkompositionen von eric. Sehr coole lyrics aus dem beschädigten alltag. Auf englisch, nein: amerikanisch, denn eric ist amerikaner. Und sehr willkommen hier, denn deutschland saugt. Und europa. Amerikanische punksongs aus einem westlich-beschädigten alltag haben unser durch speziell noch hierüber hinaus deutschland beschädigtes leben immer bereichert, bis heute. Sie sind, mitunter, the soundtrack of our lives, our beschädigtes. Wie soll ich jetzt noch schwärmen? Es wäre gelogen. Ich fands geil. |
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Sa, 04.09.2010 11:12