White Rabbit Club :: Ulli's Kolumneapropos deepstationHeute nacht ist deep station. Heute war ich mal wieder flanieren. Ich ging durch die stadt. Von flanieren im früheren, ursprünglichen sinne, flanieren, wie es die dandys des 19. jahrhunderts taten, kann heute fast keine rede mehr sein. Denn: was wirkt denn dort an geist, im sinne von spirits, auf den strassen von heute? Wo früher wohlgewachsene, quasi bürgerliche projektionsflächen, die dignität und flexibilität, also knetbarkeit der strasse zum luft- und traumschloss zur verfügung standen, der raum quasi wie in historischer unschuld (Urschuld?) sich befand, so kratzen und kreischen nun die nachtmaren des apokalyptischen, den träumenden bohémien aus seinen auflösungen, verkennungen und: eben projektionen auch, herzlich zu erwecken. Waren es erinnerungen? Es war allerhand, die manifestationen, in bücher gegossene lebenswirklichkeiten vergangener, immer gern in wiederum übergeordnet abendlandstypischer verklärung und nostalgischer, ja: vollprojektion weichgezeichneter zeiten, stehen zur verfügung. So haben wir die strata des zeitlichen und die strada des räumlichen. Das sind wir, wir vermessenen hallodrios, kronen der schöpfung und weissen männer, herrscher der welt, bezahler des gelds. Da leben wir in diesem ding, draussen alles voller müll und drinnen, unter dach und fach, in den antiseptischen und hermetisch von unserem ringen und verdingen fein säuberlich abgetrennten, ja: -gespaltenen und analerweise von security-schlägertypen händeringend bewachten kammern und sekularen kathedralen dräuen und bedingen (dieses unser sein): aufs faschistischste vermessene atomuhren, stratoskope, archive und gemächer des wissens, ungemächer, kulturträger, blitzemaschinen, auslöschungsvorrichtungen, die, ja: seziermesser der kultur, mordinstrumente unserer selbst.
Da lob ich mir das bett. Was soll werden? Beten wir und sehen. Heute nacht ist deep station. Ich will, dass ihr wisst, was herrscht. Perfideste maschinerien. Kommt aus den takten, ergründet euch selbst, ergründet die welt, und dann: schafft paralleluniversen, solche, in denen andere uhren ticken, andere mächte ficken, gesetze herrschen, von denen vater staat, aber auch mutter erde nur träumen können, betonung auf träumen, kunstwelten und liebesbiotope, ausfransende wildheits- und begehrens-, aber auch liebes- und kuschelkosmen der marke reich, coco rosie und guy debord. You name it. Lest radikal, lebt unbedingt und scheisst auf alles und jeden, der euch was auf- und reindrücken will, was ihr nicht wollt. Lest „emile oder die erziehung“ von rousseau und seid froh – dass keine angst ihr haben müsst, alles ist geschützt in geteiltem schicksal, geborgen in entfremdung, oh, ironie, und dann: legt los. Ursprung, radix, naturzustand versus kettensprengung und anderland. Ahoi, hoch die tassen und ab dafür! Nach durchbruch eins folgt nächste tür… |
KalenderSucheKategorien |
Kommentare
Sa, 04.09.2010 11:12